Filterkriterien einstellen
 

BDSM – Tipps für den Einstieg

Es gibt Menschen, die sexuelle Intimität als den einzigen Spielplatz bezeichnen, der Erwachsenen ein Leben lang bleibt. Lust und Liebe, Verlangen und Zärtlichkeit sind die Zutaten für ein an- und aufregendes Liebesspiel. Beim romantischen Miteinander fließen schnell erregende Begriffe und Worte in Dialoge ein. Partner wollen nehmen oder genommen werden. Wer sich hingibt, signalisiert Lustgewinn durch eine ausliefernde Attitüde. Schon an dieser Stelle beginnt die als BDSMbezeichnete, Spielform in das lustvolle Geschehen einzugreifen. Die Abkürzung steht für die englischen Worte Bondage, Discipline, Dominance, Submission, Sadism und Masochism. Sie umschreibt alle Spielarten der sexuellen Liebe, die Lust aus gewollter und freiwilliger Hingabe und Fremdsteuerung speist.

Frau mit Maske

Bildquelle: © Herrndorff | fotolia.com

 

Bewegungsfähigkeit einschränken und fesseln

Beim Fesseln und Disziplinieren, den beiden ersten Buchstaben in BDSM, wird Hemmungslosigkeit und Hingabe körperlich manifestiert. Einer der Partner lässt sich einschränken und liefert sich dem anderen aus. In einer leichten Form sind es die Handschellen, die Arme und Hände auf dem Rücken aus dem Spiel nehmen. Bondage und Fesseln könnt Ihr nach Wunsch steigern. Euer Ziel kann sein, das Gegenüber "benutzen" zu können oder "benutzt" werden zu können. Fixierte Arme und Beine erzeugen das anregende Gefühl von Jäger und Beute. Eine beliebte Fesselvariante beim BDSM sind Manschetten an Hand- und Fußgelenken. Durch sie streckt sich Dein Partner oder Du wirst gestreckt. Waagerecht im Bett oder auf dem Tisch, senkrecht im Türrahmen oder am Andreaskreuz wird der gefesselte Körper zum bespielbaren Instrument der Lust. Je nach Geschmack und Lust helfen enge Verschnürungen, das Gefühl des Ausgeliefertseins zu verstärken. Halsbänder und Spreizstangen erweitern das Spiel und intensivieren Eure Gefühle der Beherrschung und Hingabe.

 

Sinne ausschalten oder manipulieren

Sexuelle Erregung wird von den menschlichen Sinnen entscheidend beeinflusst. Wenn Du nichts sehen, fühlen, hören oder sagen kannst, ändert sich Deine Wahrnehmung. Beim BDSM helfen Augenbinden, andere sinnliche Eindrücke in den Vordergrund zu rücken. Wer nichts sieht, wird eine überraschende Berührung intensiver erleben. Durch Kopfhörer verschlossene Ohren verstärken den Überraschungseffekt zusätzlich. Ein geknebelter Mund ist nicht nur nachbarschaftsfreundlicher, sondern unterbindet verbalen Widerspruch. Die optische Wirkung eines Knebel tut ihr Übriges, um die Rolle klar zu bestimmen. Ein Knebel reicht vom Seidentuch bis zum Kopfriemen mit Ball und einem speziellen Geschirr, das von Herstellern aus der BDSM-Szene angeboten wird. Kopfgeschirre ergänzen oft Bondage und Fesselung auf ideale und zusätzlich aufreizende Weise.

BDSM Spielzeug

Bildquelle: © lucialasprilla | pixabay.com

 

Rollen, Worte und Taten jenseits des Alltags

Beherrschen und Unterwerfen repräsentieren sich durch das D und S in BDSM. Ein Kernpunkt in jeder Spielart des BDSM ist das freiwillige und gewünschte Machtgefälle zwischen den Partnern. Der dominante Part beherrscht den submissiven und unterwürfigen Partner. Im BDSM bezeichnen die Kurzworte Dom und Sub die jeweilige Rolle. Ihr könnt sie immer auf gleiche Weise verteilen oder auch tauschen. Mittelpunkt und Reiz des Spiels ist die Mischung aus Hingabe, Überraschung und Wehrlosigkeit. Als Werkzeuge werden im BDSM außer körperlichen Spielzeugen auch Sprache und Verhalten eingesetzt. Rollenspiele zwischen Patient und Arzt oder Chef und Untergebenen reizen Euch, mit Gesten, Worten und Taten, eine andere und neue Rolle einzunehmen. Die Rollenverteilung beim BDSM besteht aus Dom und Sub, Sklave und Sklavin, Top und Bottom. Das Spiel begrenzt sich meist auf fest definierte Zeiträume, die Sessions. Die Spielzeit wird von manchen Leuten aber auch ausgeweitet und als alternativer Lebensstil auch im Alltag in einer sogenannten 24/7-Beziehung gelebt.

 

Auf dem Grat zwischen Lust und Schmerz

Sadismus und Masochismus bilden beim BDSM die beiden Abschlussbuchstaben. Hier kommt die Nähe ins Spiel, die Lust und Schmerz aufweisen. So wie in Mimik und Gestik Lachen und Weinen manchmal fast nicht zu unterscheiden sind, ist der Schmerz ein naher Verwandter der Lust. Als Sadist bereitet es Dir Lust, Deinem Partner Schmerz zu bereiten, als Masochist empfängst Du gerne körperlichen Schmerz. Gängige Hilfsmittel und Instrumente sind Schlagwerkzeuge aller Art, Klammern und Kerzen. Auch leichter Reizstrom, gefrorenes Eis und Nadeln oder spitze Gegenstände führen zu reizvollen und schmerzhaften Spielarten. Beim Spanking, auch als Flagellantismus bezeichnet, wird die Kraft und Wirkung von Schlägen eingesetzt. Deine Hand ist das erste Schlagwerkzeug, das von Gerten, Lederriemen, Paddeln und Stöcken abgelöst werden kann. Peitschen bildet die Königsdisziplin im BDSM des Schmerzes. Wäscheklammern lösen intensive Gefühle auf der Haut, den Brustwarzen, Lippen und den Geschlechtsteilen aus. Spezielle BDSM-Klammern erhöhen die Schmerzwirkung, auch durch zusätzliche eingehängte Gewichte. Auf Haut tropfendes heißes Kerzenwachs erzeugt lustvolle Schauder.

 

So gelingt der Einstieg in BDSM

Intimität und Sexualität gehören zu den sensibelsten zwischenmenschlichen Bereichen. Empathie und Vertrauen sind die Säulen des BDSM. Ausprägungen und Vorlieben sind vielschichtig. Wer sich dem BDSM nähert, sollte offen und respektvoll auf andere potenzielle Partner zugehen. Die Einstellung "Alles kann, nichts muss" dient als Leitfaden. Da im BDSM immer mehr als eine Person beteiligt ist, verdoppelt sich auch die Zahl der Möglichkeiten und Wege. Ein guter Ansatz ist, zuerst der Maxime zu folgen, experimentierfreudig zu sein. In den Zeiten des Internets ist es erfreulicherweise einfacher geworden, Menschen mit ähnlich gelagerten Interessen zu finden. Mehr noch als in herkömmlichen Kontaktforen und Plattformen lebt die BDSM-Szene eine ausgeprägte Höflichkeit. Grenze in Deinen Angaben Deine Interessen grob ab und gib No-Gos bekannt. Lass einen beginnenden Kontakt wachsen und falle nicht mit der Tür ins Haus. Auch wenn Dein Ziel in späterer Intimität im BDSM liegt, baut sich das unverzichtbare Vertrauen nur in angemessener Zeit auf. Euer Spielplatz ist benannt und vorher gilt es, den gemeinsamen Weg dorthin zu finden.

Handfesseln

Bildquelle: © KlausHausmann | pixabay.com

 

Regeln, Sicherheit und Vertrauen

Intime Spiele im Spannungsfeld zwischen Macht und Ohnmacht in gegenseitigem Einverständnis und Hemmungslosigkeit in tiefer Vertrautheit gehören zu den schönsten Aktivitäten und Erfahrungen, die Menschen miteinander machen können. Nichtsdestotrotz begibst Du Dich im zwischenmenschlichen und im rechtlichen Bereich auf dünnes Eis. Der Aussagekraft und Wert der Aussagen Ja und Nein kommt im BDSM eine herausragende Bedeutung zu. Eine Session wird immer von einem Sicherheitswort (Safeword) begleitet, mit dem jeder Beteiligte das sofortige Ende aller Aktivitäten verursacht. Bei sprechbehindernden Praktiken ist ein sicher zu erkennendes Zeichen zu vereinbaren. Anders als bei herkömmlichem Sex ist ein ausführliches und detailliertes Vorgespräch erwünscht und üblich. Dabei spielen auch gesundheitliche Aspekte eine Rolle und nicht zuletzt die Frage, ob und welche Spuren das Liebesspiel hinterlassen darf.